Jan Kortes Behauptung, die Unionsparteien sowie die FDP erhielten von der Automobilindustrie alle paar Monate Zahlungen im fünf- bis sechsstelligen Bereich, stimmt. Das zeigen nicht nur Recherchen von LobbyControl für die Jahre 2010 bis 2014. Auch in der jüngsten Vergangenheit erhielten die Parteien von Unternehmen dieser Branche entsprechend hohe Summen. Neben einigen Zulieferunternehmen sind vor allem die Daimler AG sowie die BMW AG und deren jeweilige Familieneigentümer sehr großzügige Geldgeber der Parteien.
Am 7. November veröffentlichte Jan Korte, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, eine Pressemitteilung, in der er Union und FDP vorhält, sie erhielten alle paar Monate fünf- bis sechsstellige Beträge aus der Automobilindustrie.“ Auf eine Anfrage von stimmtdas.org mit der Bitte, genauer auf Art und Zeitraum der Zahlungen einzugehen, reagierte Jan Korte nicht. Da der Linkenpolitiker die Parteien als Spendenempfänger nannte, nimmt dieser Faktencheck die klassischen Parteispenden in den Blick. Die Nebeneinkünfte einzelner Politiker bleiben dagegen unberücksichtigt.
Der Überprüfung von Parteispenden sind Grenzen gesetzt. Nur sogenannte Großspenden über 50.000 Euro müssen die Parteien sofort öffentlich machen. Spenden zwischen 10.000 und 50.000 Euro publiziert der Bundestag mit namentlicher Nennung der Spender anderthalbjährig verspätet in den Rechenschaftsberichten. Die Herkunft von Spenden unterhalb von 10.000 Euro bleibt geheim.
Zur Autoindustrie gehören zum einen die großen Automobilhersteller, zum anderen deren Eignerfamilien und wichtige Zulieferer. Inwiefern die Eigner relevanter kleinerer Unternehmen den Parteien als Privatpersonen Geld spendeten, bleibt in diesem Faktencheck unberücksichtigt. Solche Spenden sind jedoch auch denkbar.
Im Zeitraum von 2010 bis 2014 erhielten die Unionsparteien 860.000 Euro von Daimler und 1.471.915 Euro von BMW, wie die gemeinnützige Initiative LobbyControl ermittelt hat. Das entspricht 48.500 Euro monatlich. In der selben Zeit erhielt die FDP von Daimler 215.000 Euro und von BMW 483.315 Euro, also 14.500 Euro monatlich.
Für das Jahr 2015 geben die aktuellen Rechenschaftsberichte für Bundestagsparteien und sonstige wie die FDP, die damals nicht im Bundestag vertreten war, Auskunft über die Parteienfinanzierung. Demnach spendeten die Daimler AG und die Marquardt GmbH, ein Zulieferunternehmen, den Unionsparteien 100.000 Euro bzw. 40.000 Euro. Auf den Monat heruntergebrochen ergibt das 11.700 Euro für die Union. Den Liberalen spendete Daimler 40.000 Euro und die Marquardt GmbH sowie die Robert Bosch GmbH je 20.000 Euro. Der monatliche Schnitt liegt bei 6.666 Euro. Jeden zweiten Monat kommt also ein fünfstelliger Betrag zusammen.
Hinsichtlich des Jahres 2016 ist für die Freien Demokraten keine Aussage möglich, da der Rechenschaftsbericht für dieses Jahr noch nicht veröffentlicht wurde. Das gilt zwar auch für CDU und CSU. Diese erhielten jedoch Großspenden in solcher Höhe, dass Kortes Behauptung zu bestätigen ist: BMW bzw. deren Eignerfamilien Quandt und Klatten spendeten der Union zusammen 100.000 Euro, die Daimler AG ebenso.
2017 erhielten die Unionsparteien erneut je 100.000 Euro von Daimler und den Familieneignern der Bayerischen Motorenwerke. Letztere bedachten die FDP in diesem Jahr mit demselben Betrag. Hinzu kamen 55 000 Euro für die Liberalen von der Autovermietung Sixt GmbH.
Fazit: Trotz der begrenzten Überprüfbarkeit der Parteienfinanzierung bestätigen die Recherchen, dass Kortes – recht unpräzise – Aussage stimmt. Sowohl die Unionsparteien als auch die Freien Demokraten erhielten bis in die jüngste Vergangenheit im Jahresdurchschnitt alle zwei Monate mindestens 10.000 Euro von der Automobilbranche. Oft lag der Betrag deutlich über dieser Schwelle. Vor allem die deutschen Hersteller Daimler und BMW spenden regelmäßig große Beträge an die Parteien.
2 Gedanken zu „Union und FDP erhalten alle paar Monate fünf- bis sechsstellige Beträge von der Automobilindustrie“
Kommentare sind geschlossen.
Dieser Artikel ist unvollständig da die Spenden von der Autoindustrie an andere Parteien (…SPD,…) nicht erwähnt werden. Zur Einordnung ebenfalls wichtig. Ausserdem wkönnte man einen sehr einfachen Link zu dem Thema zitieren.. (siehe unten)
https://www.bundestag.de/parlament/praesidium/parteienfinanzierung/fundstellen50000/2017
Hallo Mario, vielen Dank für die Kritik und den Link, ich gebe das an den Autor weiter. Weitere Infos, auch zu anderen Parteien, sind in diesem Artikel zu finden:https://stimmtdas.org/2017/09/13/wagenknecht-wir-linken-sind-die-einzige-partei-im-deutschen-bundestag-die-noch-nie-auch-nur-einen-mueden-euro-von-konzernen-oder-lobbyisten-angenommen-hat/ Beste Grüße