Katja Kipping, Die Linke

» Deutschland ist ein reiches Land. Doch nirgendwo in Europa sind Menschen gefährdeter, in Armut zu fallen, wenn sie ihren Job verlieren. «

Katja Kipping twit­terte am 2. März 2018, dass die Gefahr bei Arbeits­lo­sig­keit in Armut zu fallen nirgendwo in Europa so hoch sei wie in Deutsch­land. Ein Blick in die Statis­tik von Euro­stat bestä­tigt Kippings Aussage. 70,8 Prozent der deut­schen Arbeits­lo­sen sind armuts­ge­fähr­det, mindes­tens zehn Prozent­punkte mehr als in jedem ande­ren euro­päi­schen Land. Die Aussage Kippings stimmt, ist aber verein­fa­chend. Mit der Aussa­ge­kraft der zugrun­de­lie­gen­den Zahlen verhält es sich nämlich nicht ganz so einfach.

Zum besse­ren Verständ­nis der Zahlen ist es zunächst wich­tig, die Begriffe rich­tig einzu­ord­nen: Grund­lage der Berech­nung der Armuts­ge­fähr­dungs­quote eines Landes ist das mitt­lere Netto-Pro-Kopf-Einkom­men: Das heißt, die eine Hälfte der Bevöl­ke­rung verdient mehr, die andere Hälfte weni­ger. Die Armuts­ge­fähr­dung ist demnach im Verhält­nis zu den Gehäl­tern der rest­li­chen Bevöl­ke­rung defi­niert, weshalb von rela­ti­ver Einkom­mens­ar­mut gespro­chen wird. Armuts­ge­fähr­det ist, wem weni­ger als 60 Prozent des mitt­le­ren Einkom­mens zur Verfü­gung stehen: In Deutsch­land betrug dieses mitt­lere Einkom­men 2016 21.275 Euro. Die Armuts­ge­fähr­dungs­schwelle lag daher für einen Single­haus­halt bei 12.765 Euro pro Jahr. Wem in diesem Jahr weni­ger als dieser Betrag zur Verfü­gung stand, der galt als rela­tiv einkom­mens­arm und damit armuts­ge­fähr­det.

Laut Euro­stat waren im Jahr 2016 demnach 17,1 Prozent der deut­schen Bevöl­ke­rung armuts­ge­fähr­det, was leicht unter dem EU-Durch­schnitt von 17,7 Prozent lag. In der arbei­ten­den Bevöl­ke­rung entsprach die Armuts­ge­fähr­dungs­quote mit 9,5 Prozent ziem­lich genau dem EU-Schnitt. Bei den Arbeits­lo­sen jedoch liegt Deutsch­land mit einer Armuts­ge­fähr­dungs­quote von 70,8 Prozent über den Quoten aller ande­ren EU-Staa­ten (siehe Statista-Info­gra­fik). Auf Anfrage von stimmtdas.org bestä­tigte Kipping, dass sich ihre Aussage auf diese Daten von Euro­stat bezog.

 

Wie kommt die vergleichs­weise hohe Armuts­quote bei den Arbeits­lo­sen zustande?

Betrach­tet man das deut­sche System der Arbeits­lo­sen­hilfe, erhält man eine recht einfa­che und logi­sche Erklä­rung dafür. Wer in Deutsch­land arbeits­los wird und infol­ge­des­sen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld I hat, bekommt 60 Prozent seines vorhe­ri­gen Netto­lohns. Wären die Chan­cen arbeits­los zu werden für alle Gehalts­grup­pen gleich wahr­schein­lich, fielen rein rech­ne­risch auto­ma­tisch 50 Prozent der Arbeits­lo­sen unter die Armuts­ge­fähr­dungs­schwelle. Damit läge Deutsch­land immer noch leicht über dem EU-Durch­schnitt von 48,7 Prozent. Da aber den Zahlen der Agen­tur zufolge insbe­son­dere rela­tiv einkom­mens­arme Gering­qua­li­fi­zierte mit höhe­rer Wahr­schein­lich­keit arbeits­los werden, erhöht sich dieser Wert weiter.

Hinzu kommt, dass die Mehr­zahl der Arbeits­lo­sen in Deutsch­land (im März 2018 laut Arbeits­agen­tur etwa 65 Prozent) Arbeits­lo­sen­geld II (sog. Hartz IV) bezieht, mit dem ledig­lich das Exis­tenz­mi­ni­mum gesi­chert werden soll. Der Regel­satz lag hier bei 416 Euro, zuzüg­lich sepa­rat ausge­zahl­ter Miet­kos­ten. Die hohe Armuts­ge­fähr­dungs­quote bei Arbeits­lo­sen in Deutsch­land liegt also im System der Arbeits­lo­sen­hilfe selbst begrün­det.

Doch wie ernst ist es nun tatsäch­lich um die deut­schen Arbeits­lo­sen bestellt?

Geht es ihnen sehr viel schlech­ter, als den ande­ren Arbeits­lo­sen in der EU? Das würden die Zahlen ja nahe­le­gen. Die folgen­den Über­le­gun­gen, basie­rend auf den aktu­ell vorlie­gen­den Zahlen, kommen zu keinem eindeu­ti­gen Ergeb­nis. Ein rein theo­re­ti­scher Gedan­ken­gang bestä­tigt sich beim Blick auf die Euro­stat-Daten: Geht man davon aus, dass Erwerbs­tä­tige im Schnitt ein höhe­res Einkom­men als Arbeits­lose haben, kann man schluss­fol­gern, dass mit stei­gen­der Beschäf­ti­gung das Median-Einkom­men und damit auch die Armuts­ge­fähr­dungs­schwelle sowie die Armuts­ge­fähr­dungs­quote stei­gen. Tatsäch­lich legen die Daten von Euro­stat nahe, dass es in Deutsch­land einen posi­ti­ven Zusam­men­hang zwischen der Beschäf­ti­gungs­quote und der Armuts­ge­fähr­dungs­quote (von Arbeits­lo­sen) gibt: Je höher die Beschäf­ti­gungs­quote, desto mehr armuts­ge­fähr­dete Menschen gibt es. Eine stei­gende Arbeits­lo­sig­keit führt dann para­do­xer­weise zu einer Abnahme der Armuts­ge­fähr­dungs­quote. Dieser Sach­ver­halt zeigt: es ist frag­lich, wieviel die Armuts­ge­fähr­dungs­quote von Arbeits­lo­sen über deren finan­zi­elle Situa­tion aussagt.


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Ein weite­rer Punkt ist die Dauer der Arbeits­lo­sig­keit. Diese wirkt sich auf die Schwelle zur Armuts­ge­fähr­dung aus. Im Jahr 2016 betrug laut einer Veröf­fent­li­chung der Arbeits­agen­tur die durch­schnitt­li­che Dauer der Arbeits­lo­sig­keit in Deutsch­land 38,3 Wochen, also etwa neun Monate. Dabei war die Mehr­zahl der Arbeits­lo­sen (63 Prozent) weni­ger als 12 Monate arbeits­su­chend. Beim Vergleich mit der rest­li­chen EU lässt sich fest­stel­len, dass Deutsch­land beim Anteil der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen (Perso­nen, die länger als 12 Monate arbeits­los waren) im Jahr 2016 mit etwa 38 Prozent unter dem EU-Schnitt von damals 46 Prozent lag. Zusam­men­ge­fasst heißt das: Ein Groß­teil der Arbeits­lo­sen in Deutsch­land findet in weni­ger als einem Jahr nach Beginn der Arbeits­lo­sig­keit wieder einen Job, wodurch sich die Armuts­ge­fähr­dung verrin­gert.

Fazit: Ja, die Armuts­ge­fähr­dungs­quote bei den deut­schen Arbeits­lo­sen ist außer­ge­wöhn­lich hoch. Katja Kippings Aussage stimmt, ist aber verein­fa­chend. Denn um die tatsäch­li­che Situa­tion der Arbeits­lo­sen in Deutsch­land beur­tei­len zu können, reicht diese Quote nicht aus. Statt­des­sen ist es wich­tig, sich mit den statis­ti­schen Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten der Quote ausein­an­der­zu­set­zen und auch andere Kenn­zah­len, welche zur Beur­tei­lung von Armut wich­tig sind, in die Betrach­tung mitein­zu­be­zie­hen. Das zeigt der kuriose Umstand, dass Arbeits­lose in Deutsch­land häufi­ger von Armut bedroht sind, wenn die Arbeits­lo­sen­quote abnimmt.

Lena Gierl

Autor: Lena Gierl

Lena hat Erziehungswissenschaft und Bildung für nachhaltige Entwicklung (M.A.) studiert und arbeitet derzeit in einem Weiterbildungsunternehmen mit jungen Erwachsenen. Zeige alle Beiträge von Lena Gierl

10 Gedanken zu „Armuts­falle Arbeits­lo­sig­keit: Nirgendwo schlim­mer als in Deutsch­land?“

  1. Sie haben recht, aller­dings, wie sie selbst schrei­ben, gibt Frau Kipping nur eine Statis­tik weiter.
    Zwangs­läu­fig verein­fa­chen prak­tisch alle Statis­ti­ken.
    Wann immer also irgend jemand eine Statis­tik wieder­gibt wird er verein­fa­chen.
    Ihre Fest­stel­lung ist also nicht wirk­lich etwas das Frau Kippings Aussage von der Aussage irgend einer ande­ren Person unter­schei­det.
    Weshalb erwäh­nen Sie es also?
    Viel­leicht wäre es eine gute Idee jeder Statis­tik den Warn­hin­weis hinzu­zu­fü­gen: “Achtung diese Statis­tik verein­facht die Reali­tät”

    1. Es gibt aber schon Unter­schiede. Man sieht an der Analyse wie unprä­zise, vage und schwam­mig eigtl. die Bedeu­tung von vielen poli­ti­schen Aussa­gen ist. Beson­ders rela­tive Zahlen und errech­nete “Risi­ken” werden sehr leicht poli­tisch miss­braucht. Andere Statis­ti­ken lassen sich sehr viel schwie­ri­ger umpo­len, z.B. die wieviel Geld hat die Bundes­wehr über die letz­ten Jahre bekom­men oder was ist die abso­lute Anzahl von Hartz IV Empfän­gern. Um das umzu­po­len muss man dann wieder argu­men­tie­ren, ja rela­tiv zu X und Y ist das aber viel bzw. wenig etc etc. Also ich würde schon sagen es ist möglich besser zu argu­men­tie­ren als Frau Kipping, aber viel­leicht klingt es dann halt nicht dras­tisch genug.

  2. Beide Konzepte sind proble­ma­tisch, weil Sie Armut allein am Einkom­men messen. Armut ist vornehm­lich Ausschluss aus der Gesell­schaft. Ausstieg aber ist ein Prozess. Man verliert den Boden unter den Füßen und wird Mecha­nis­men ausge­setzt, die den Menschen ausbeu­ten und hilf­los machen. Das geschieht in Deutsch­land vor allem bei Wohnen und Kredit. 60% der Über­schul­de­ten haben als Grund des Abstur­zes, der zur Kündi­gung des gesam­ten Kredi­tes führte, Arbeits­lo­sig­keit. (Ulbricht, Dirk et. alt. iff-Über­schul­dungs­re­port 2016. Über­schul­dung in Deutsch­land, 1. Auflage (2016).) Als Über­schul­dete sind sie Wucher­an­ge­bo­ten ausge­setzt. Der Fall wird also beschleu­nigt. Verbrau­cher­insol­venz hilft allen­falls 3% von ihnen und viel zu spät. Hier setzt unser Bünd­nis dege­gen den Wucher an (#Stop­Wu­cher).

  3. @Arnold Weible:

    Frau Kippings Aussage ist faktisch rich­tig, entbehrt sich aber wich­ti­gen Kontex­tes. Das ist etwas, was rich­tig­ge­stellt werden darf — und davon abge­se­hen ist es doch hoch­in­ter­es­sant, was sich eigent­lich hinter dem Term Armuts­grenze versteckt und wie es in der EU mit verschie­de­nen Fakto­ren korre­liert.

    Ich dachte immer, stimmdas.org ist genau dafür da, so ein Warn­hin­weis zu sein wie Sie es fordern- nämlich Kontext zu genann­ten Aussa­gen und Statis­ti­ken zu geben…insofern verstehe ich Ihren Punkt nicht.

    1. @Christian Ober­meier
      Ist der Kontext wirk­lich wich­tig?
      Sicher, es ist hoch­in­ter­es­sant zu lesen wo die Gren­zen der Statis­tik liegen und was beach­tet werden muss wenn man ein genaues Bild über die Situa­tion der Menschen haben will und wenn Frau Gierl darauf hinge­wie­sen hätte ohne auf irgend eine Person zu verwei­sen, hätte ich auch nichts gesagt.
      Frau Gierl wirft nun aber Frau Kipping vor unge­nau zu sein.
      Als ober­fläch­li­cher Leser entnehme ich daraus dass Frau Kipping die reelle Situa­tion schwär­zer mahlt als sie ist.
      Frau Kipping will mit ihrem Posting aller­dings nichts ande­res als darauf aufmerk­sam machen, dass wir uns in Deutsch­land sehr viel besser um Arbeits­lose kümmern könn­ten.
      Es handelt sich ledig­lich um die Ankün­di­gung einer Veran­stal­tung, in der sie auf das Thema einge­hen will; nicht um einen Fach­vor­trag!
      Lesen Sie das Posting noch­mal und dann sagen sie ehrlich würde es nicht sogar lächer­lich wirken wenn Frau Kipping im Nach­satz noch­mal auf die Unge­nau­ig­keit der Statis­tik aus der sie die Aussage entnom­men hat hinwei­sen würde?
      So betrach­tet kann man sogar sagen, dass so etwas nicht “rich­tig gestellt” werden sollte, denn es ist eine unse­riöse Mani­pu­la­tion des Lesers.

  4. @Arnold Weible:

    Sie fragen mich zuerst, ob Kontext wich­tig ist, nur um dann im nächs­ten Satz zu sagen, dass der Arti­kel für Sie unpro­ble­ma­tisch gewe­sen wäre, wenn er nicht mit der Aussage von Frau Kipping verknüpft gewe­sen wäre. Also ist der Kontext des Arti­kels — für Sie — schein­bar sogar in höchs­tem Maße wich­tig.

    Das verstehe ich nicht.

    Was sich dadurch aufdrängt ist, dass Sie ein spezi­fi­sches Problem damit haben, dass eine Aussage von Frau Kipping rich­tig­ge­stellt wurde. Das läuft, zumin­dest in meiner Perspek­tive, stark gegen das Konzept von Fakten­che­ckern wie wie stimmt­das oder dem vermut­li­chem Vorbild Poli­ti­Fact. Hier werden Aussa­gen von Poli­kern jegli­chen Couleurs ob ihrer Aussa­gen gegen­ge­prüft. Es ist voll­kom­men irrele­vant ob die Aussage stimmt oder nicht, wenn der Prüfungs­pro­zess beginnt — dies soll ja im Recher­che­pro­zess erst fest­ge­stellt werden — und alle geprüf­ten Aussa­gen sollen im Anschluss zu Arti­keln führen und, wo nötig, mit mehr Kontext verse­hen werden.
    Als Wissen­schaft­ler bin ich stark dafür, dass Statis­ti­ken nicht blind wieder­ge­ge­ben werden soll­ten und sehe den Arti­kel hier nicht als Angriff. Es ist möglich, dass Frau Kipping es in ihrem Vortrag wieder rela­ti­viert (ich habe diesen nicht gese­hen und nur die Ankün­di­gung auf Twit­ter gele­sen) und die Aussage viel­leicht nur über­spitzt hat um für Diskus­sio­nen zu sorgen — aber da verstehe ich dann dennoch nicht, wieso dies laut Ihnen nicht in Kontext gesetzt werden dürfe.
    Sie verste­hen den Arti­kel als Angriff, ich ihn als inter­es­sante Gele­gen­heit, sich damit zu beschäf­ti­gen wie Armut defi­niert wird und wieso es kompli­ziert ist, daraus eine einfa­che Beur­tei­lung der Realar­mut abzu­lei­ten — und vor allem, wie komplex es wird wenn man die Armut zwischen verschie­de­nen Staa­ten verglei­chen möchte.

    Den vorletz­ten Satz verstehe ich nicht. Es würde in keiner Weise lächer­lich wirken, wenn Frau Kipping darauf hinge­wie­sen hätte, dass die Statis­tik so einfach nicht mit Realar­mut zu verknüp­fen ist — im Gegen­teil, dafür hätte ich ihr Respekt gezollt.

    Die Aussage Ihres letz­ten Satzes, dass für Sie der zusätz­li­che Kontext sogar schäd­lich ist, ist höchst befremd­lich. Ich fürchte, dass es dann auch egal ist was ich hier erwi­dere, denn es wird auf taube Ohren (bzw Augen) fallen, aber ich wollte es wenigs­tens versu­chen.

  5. @Arnold Weible:
    Das Grund­prin­zip von stimmtdas.org ist Poli­ti­ker­aus­sa­gen unvor­ein­ge­nom­men nach­zu­prü­fen, dabei spielt es zunächst keine Rolle, welcher Poli­ti­ker eine Aussage getä­tigt hat. Frau Kipping war nun einfach zunächst die erste (zumin­dest von stimmtdas.org wahr­ge­nom­men), die diese Zahlen aufge­grif­fen hat. Inter­es­san­ter­weise ist ein paar Tage später auch noch ein ande­rer Poli­ti­ker () darauf eingegangen,vermutlich mit ande­rer Inten­tion, das soll jetzt aber nichts zur Sache haben. Ich persön­lich habe das Zitat aus reiner Neugier gewählt und wollte wissen, welche Gründe es dafür geben könnte.
    Was auch noch ange­merkt werden sollte ist, dass die Zahlen wirk­lich nur zu Werbe­zwe­cken verwen­det wurden und in der Veran­stal­tung von Frau Kipping selbst aber nicht Thema waren, was ich natür­lich schade finde, denn hier hätte es die Möglich­keit gege­ben, das ganze etwas diffe­ren­zier­ter zu betrach­ten (). Anmer­ken möchte ich auch, dass ich es sehr inter­es­sant und erschre­ckend finde, was Frau Kipping in dieser Veran­stal­tung berich­tet hat und auch die Vorschläge zur Lösung sind meiner persön­li­chen Meinung nach mach­bar und sinn­voll. Nichts­des­to­trotz kann, möchte und darf ich unab­hän­gig von Frau Kippings und meiner poli­ti­schen Couleur etwas nach­prü­fen und in jedem Fall trägt meiner Meinung nach ein solches Vorge­hen zur besse­ren Trans­pa­renz und zum besse­ren und ehrli­chen Umgang mit Statis­tik und natür­lich auch den mit den sich darauf bezie­hen­den Poli­ti­ker­aus­sa­gen bei. Genau deshalb bin ich bei stimmtdas.org.
    Anhand von solchen Poli­ti­ker­aus­sa­gen kann und sollte man auch seinen eige­nen Umgang mit solchen Statis­ti­ken und “Fakten” hinter­fra­gen.

    1. Liebe Frau Gierl,
      selbst­ver­ständ­lich soll­ten Sie die Aussa­gen von Poli­ti­kern aller Parteien hinter­fra­gen. Sie soll­ten aller­dings den Umstand unter denen die Aussa­gen getrof­fen werden nicht aus dem Auge verlie­ren.
      Wenn Frau Kipping die Aussage in irgend einem Vortrag getrof­fen hätte ohne weiter darauf einzu­ge­hen, dann hätten Sie voll­kom­men recht und ich hätte Ihnen zuge­stimmt, dass die Aussage verein­fa­chend sei. Nun war das aber ein Posting auf Twit­ter. Ich vermute stark, dass die 280 Zeichen (ca. 4 Zeilen in dieser Kommen­tar­spalte), die man auf solch einem Posting setzen darf nicht ausrei­chen, um zu erläu­tern, dass die Statis­tik, die einer Aussage hinter­legt ist die Reali­tät nicht ganz korrekt wieder­gibt.
      Ich empfinde es unter diesen Umstän­den nicht fair, einem Politiker/ einer Poli­ti­ke­rin, egal von welcher Partei er / sie ist, zu unter­stel­len er /sie würde verein­fa­chen.

      1. @Arnold Weible:
        Ich stimme Ihnen auch zu, dass auf Twit­ter getrof­fene Aussa­gen verein­fa­chen. Das war hier nicht mal der Fall, sondern in diesem Fall wurde eine voll­kom­men korrekte Aussage einer Pres­se­mit­tei­lung von Euro­stat wieder­holt. Wenn man also genau sein möchte, dann war die Aussage selbst über­haupt nicht verein­fa­chend.
        Wenn man jedoch noch genauer sein möchte, dann könnte man auch anmer­ken, dass Frau Kipping in ihrer Twit­ter­nach­richt mehr Kontext dazu verspricht und sogar eine Erklä­rung, wie es zu diesen Werten kommt. Dies­be­züg­lich bin ich jedoch nicht fündig gewor­den. Sollte irgendwo etwas dazu stehen, wäre das Urteil “verein­fa­chend” selbst­ver­ständ­lich hinfäl­lig. Im vorlie­gen­den Fall war es statt­des­sen so, dass weder von Frau Kipping noch von sonst wem Kontext gelie­fert wurde. Inso­fern finde ich es von einer Seite wie stimmtdas.org gut, dass sie in solchen Fällen Kontext und Hinter­gründe liefert, wo (nicht nur) Poli­ti­ker Meldun­gen und Zahlen einfach verbrei­ten, ohne sie zu hinter­fra­gen. Man könnte natür­lich der Meinung sein, dass dies Poli­ti­ker gar nicht leis­ten können und dies auch nicht ihre Aufgabe ist. Persön­lich finde ich jedoch schon, dass Menschen, die so sehr in der Öffent­lich­keit stehen und die öffent­li­che Meinung bilden eine Vorbild­funk­tion haben.

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